|
Was bedeutet "aus kontrolliert biologischem Anbau", kurz "kbA" ? Den ökologischen Landbau zeichnet es aus, daß er der einzige Zweig der Landwirtschaft ist, der streng nach gesetzlichen Richtlinien produziert und weiterverarbeitet. Sie erkennen diese Produkte an der Ökokontrollnummer, die auf jedem Produkt ausgewiesen ist. Lebensmittel, die diesen Richtlinien nicht entsprechen dürfen sich weder mit "kbA", "ökologisch", "öko", "biologisch" oder "bio" bezeichnet werden. Waren, in aller erster Linie Lebensmittel, die so gekennzeichnet sind, werden von unabhängigen, staatlicher zugelassenen und geprüften Kontrollstellen kontrolliert. In Mecklenburg Vorpommern sind zur Zeit 16 Kontrollstellen zugelassen, so z.B. "Alicon" oder "Grünstempel". Bei diesen Kontrollen geht es um die Einhaltung von Richtlinien, die die Europäische Union als Richtwerte vorschreibt. Nur wenn diese Normen bei Fläche, Düngung, Herkunft (Mutter, Saatgut), Lagerung und Verarbeitung erfüllt werden, dürfen diese als "kbA", "ökologisch", "öko", "biologisch" oder "bio" bezeichnet werden. Über die EU-Vorgaben hinaus kontrollieren die Öko-Kontrollstellen noch die Richtlinien der ökologischen Anbau-Verbände. Diese Verbandsrichtlinien sind häufig deutlich strenger. Allerdings muß ein Biobetrieb keinem Anbauverband angehören. Die Grundidee des ökologischen Landbaus ist der geschlossene Betriebskreislauf und eine nachhaltige, ökologische Wirtschaftsweise Konkret bedeutet dies: # Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ohne künstliche Düngemittel = Einsatz von betriebseigenen Kompost und Mist sowie Gründüngung mit Pflanzen. Grundsätzlich zwei Jahre ökologische Bewirtschaftung (= Warte-/Umstellungszeit), bevor das Produkt ökologisch zertifiziert wird. # Verzicht auf agrarindustrielle Methoden = keine gentechnisch veränderte Pflanzen und Lebewesen, vielseitige Fruchtfolgen mit vorwiegend alte, standortgerechten Sorten, keine chemischen Konservierungsstoffe vom Saatgut bis zum fertigen Produkt # Verbot des Pestizideinsatzes = vorbeugender Pflanzenschutz durch Unterstützung der Nützlinge, Fruchtfolge und Sortenwahl # Artgerechte Tierhaltung und Fütterung = pro Tier Stallfläche und freier Auslauf, kein tierisches Eiweiß (Tier- oder Fischmehl) für Pflanzenfresser, Herkunft des Futters vom Hof selbst, keine Medikamente oder Masthilfen # Flächengebundene Tierhaltung = 2 große Tiere (Rinder) oder 20 kleine Tiere (Schafe, Rinder) pro 10.000 m_ Gesamtweidefläche des Betriebes # Die Anbauverbände schreiben vor, daß der gesamte landwirtschaftliche Betrieb ökologisch geführt wird Eine ökologische Betriebsführung gelingt nur dann, wenn der Betrieb mit einem ganzheitlichen Denkansatz begriffen und gelenkt wird. Im ökologischem Betrieb sind alle Vorgänge voneinander abhängig. Die Tiere von den Pflanzen, die Pflanze vom Boden, der Boden wiederum vom tierischen Dünger und der menschlichen Arbeitskraft. Durch umfangreiches Wissen über den Boden, die Pflanzen und die Tiere Sortenauswahl, Standortbedingungen, Wetterkunde und einen großen Erfahrungsschatz ist der Biobauer in der Lage seinem Boden und den Tieren Erträge abzufordern, die höchste Qualitäten entsprechen. Salopp gesprochen muß der Biobauer mit eingeschränkten Mitteln (Chemie, Medizin, Technik, kaum Düngemittel- und Futterzukauf) ein maximales Ergebnis erzielen und jedes Jahr wiederholen. Wesentlicher Begriff ist der Kreislauf, Handeln wird nicht nur in seiner direkten Wirkung, sondern mit allen Neben- und Nachwirkungen betrachtet. Deswegen werden Agrochemikalien nicht eingesetzt. Wir wollen nicht Waren liefern, die nur unter den Grenzwerten belastet sind, sondern solche, die ohne giftige Stoffe angebaut wurden. Denn unter Agro-Chemie, Massenproduktion und Massentierhaltung leidet nicht nur der Konsument, sondern Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser und Luft. Dazu kommt das alle unverarbeiteten Produkte, von Pflanze oder Tier, nach Richtlinien der Anbauverbände verarbeitet und veredelt werden müssen. Dies bedeutet z.B. den Verzicht auf alle künstlich und chemischen Konservierungsstoffe, Bindemittel, Aromen, gentechnisch veränderte Zusätze (z.B. Sojalecithin und Hefe) sowie anderen Möglichkeiten der Konservierung z.B. radioaktive Bestrahlung. Gerade altes handwerkliches Wissen über Räuchern bis zum Trocknen kommt im ökologischen Landbau voll zur Geltung. Bei uns kommt die Ware möglichst wenig bearbeitet in den Laden, statt vielen Maschinen, die Standardisierung fordern, steht bei uns Handarbeit und ein individuelles Produkt im Vordergrund. Die Anbauverbände Der ökologische Landbau hat seine Wurzeln in den ökologischen Anbauverbänden, die z.T. seit 1924 die ökologische Produktion kontrollieren. Durch die große Nachfrage der Verbraucher wurden die Richtlinien der in vielen Saaten agierenden Verbände 1993 von der EU auf ein gemeinsames, internationales Maß zusammengeführt (EU-Richtlinie 2091/92) Seit 1993 garantiert die Bioverordnung in allen EU-Ländern, daß nur Bio drauf steht, wo auch Bio drin ist. Ökologische Ware, die außerhalb der EU produziert (Kaffee, Bananen) wird, muß beim Import die gleichen Bedingungen erfüllen. Dies wird auch in Übersee unabhängig kontrolliert. Hier ein Überblick über die in MV aktiven Anbauverbände: - Demeter: der älteste deutsche Anbauverband (seit 1924 als Landbaureform). Ein Biologisch-dynamischer Anbau, basierend auf die Lehren des Rudolf Steiners (1861 - 1925). Beachtung kosmischer Rhythmen. (z.B. Hof Zandershagen, SOS-Dorf in Grimmen Hohenwieden) - Bioland: besteht in Deutschland seit 1971 und geht unmittelbar auf die Erfahrungen von Hans Müller zurück. Arbeitet nach organisch-biologischen Ansichten. (z.B. Imkerei Dorow, Querbeet, ÖBiK, Hofgut Bisdamitz, Lichthof Huber und Kapellscher Hof (Richtlinienbeachtung)) - Naturland : hat sich 1982 im süddeutschen Raum gegründet. Bemüht sich vor allem um die Vermarktung der erzeugten Produkte und fördert besonders Sonderkulturen wie Obst, Hopfen, Kräuter und Heilpflanzen. - Gäa : der Name stammt von der griechischen Göttin der Erde ab. Bereits im Mai 1989 in Dresden gegründet Die Richtlinien der Gäa berücksichtigen sowohl biologisch-dynamisch, also auch organisch-biologisch Wirtschaftsweisen. - Biopark: 1991 gegründet und damit der jüngste Verband. Vorwiegend in den neuen Bundesländern aktiv, setzt auf große Absatzmengen für große Betriebe (LPG-Nachfolger). In MV wurden vor allem Grünlandbetriebe umgestellt, die große Niederungen und Moorflächen bewirtschaften. Mit 108.754 ha der flächenmäßig größte deutsche Anbauverband. Regionalvermarktung Ein Schwerpunkt des Naturkostladens "Keimblatt" ist die Vermarktung von regionalen Ökoprodukten. Vom Brot über Fleisch und Wurst bis zu Käse, Joghurt und Honig, bis hin zu jede Art von regionalen und saisonalen Gemüse, Obst und Beeren, können sie alles frisch erhalten: "Regional ist optimal" - auf etwa diese Formel läßt sich unsere Philosophie zusammenfassen. Es ist also unser Ziel, möglichst viele der Waren auf kürzestem Wege vom Hof an den Kunden zu bringen. Dies beziehen wir nicht nur auf gefahrene Kilometer, sondern auch die Handelswege: Bei uns im Laden werden Sie immer mehr Waren aus Vorpommern finden und zusätzlich werden Sie immer häufiger durch die Produzenten selbst bedient. Obwohl in Vorpommern rund 20% der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet wird und damit rund 20.000 Menschen davon leben, findet der Verbraucher nur ein dünnes Angebot an ökologischen Lebensmitteln. Einige "Supermärkte" bieten wenige und dazu teure ökologische Waren (Dauerkonserven, Getreide, Müsli, Nudeln) an, manche auch begrenzt Gemüse und Molkereiprodukte, dann jedoch meist aus weit entfernten Gegenden (z.B. Butter aus Österreich und Milch aus Thüringen). Die volle ökologische Produktpalette bieten nur die Naturkostläden in Stralsund, Neubrandenburg, auf Rügen und in Greifswald. Bezeichnend für Vorpommern ist, daß kaum Öko-Produkte verbraucherfertig hergestellt werden. Nur der Naturkostladen Keimblatt und der Hofladen in Zandershagen bieten eine umfassende Vielfalt an regionalen Ökoprodukten.
|